Ist Perfektionismus immer ungesund?

Ist Perfektionismus immer ungesund?

Es gibt insgesamt zwei Arten von Perfektionismus: gesunden und ungesunden. In der Forschung nennt man diese beiden Typen funktionalen und dysfunktionalen Perfektionismus.

Funktionale Perfektionisten haben hohe Ansprüche, aber wenn mal was schief geht, können sie es akzeptieren und sie können sich über ihre Erfolge freuen. Sie fühlen sich dadurch sogar motiviert und erbringen persönliche Höchstleistungen und respektieren ihre eigenen Grenzen & die Grenzen anderer. 

Dysfunktionale Perfektionisten hingegen sind übermäßig selbstkritisch. Schon der Gedanke, er könnte etwas falsch machen, bringt seinen Puls zum rasen. Falls ihm ein kleiner Fehler passiert, sieht er sich als Versager und malt sich mögliche Konsequenzen aus: „dass ihn die Leute nicht mehr achten werden, weil er einen Fehler gemacht hat“ oder "dass viele ihn als Versager sehen werden, weil er es nicht perfekt war". Diese Art kann dazu führen, psychische Schieflagen zu erlangen wie z.B. Stress, Bfurnout, mangelndes Selbstwertgefühl, Angstzustände uvm.




Wie äußert sich krankhaftes perfektionistisches Verhalten?

Begleitet wird der dysfunktionale Perfektionismus häufig von einem geringen Selbstwertgefühl. Falls sie bei einer Sache nicht erfolgreich genug sind oder einen Fehler machen, gehen sie automatisch davon aus, dass sie immer scheitern werden.

Sie wollen stets etwas noch besser machen, damit die Aufgabe nur selten ein Ende findet. Daher stehen sie regelmäßig unter einer psychischen und physischen Anspannung. Das führt letztendlich zu einem Zustand, der durch Stress und Ängste geprägt ist.


Was sind die Ursachen von Perfektionismus?

Es gibt nicht die eine Ursache oder einen expliziten Auslöser. Es ist auf mehrere Einflüsse zurückzuführen, die zusammenwirken. Bei einigen Menschen sind perfektionistische Züge oder Neigungen genetisch veranlagt. Falls deine Eltern selbstkritische Züge aufweisen, könnte es durchaus möglich sein, dass sich diese Tendenzen auch bei dir zeigen. 

Ebenso haben insbesondere Umwelteinflüsse eine sehr große Bedeutung, wie zum Beispiel die Erziehung durch deine Eltern oder der Umgang mit gleichaltrigen. Es kommt leider oft vor, dass viele Perfektionisten schon als Kind mit hohen Anforderungen konfrontiert und damit früh auf Leistungsorientierung geprägt worden sind.

Eine dysfunktionale Perfektionismus kann verstärkt werden, wenn Eltern  ihrem Kind emotionale Kälte entgegenbringen und nur bei guter Leistung Wertschätzung vorzeigen. Es ist wichtig, dass du dir bewusst bist, dass wenn du diese Tendenzen bemerkst sofort handeln kannst, bevor es krankhafte Züge annimmt.


Welche Folgen hat krankhafter Perfektionismus auf das Denken?

Perfektionismus hat einen starken Einfluss auf das Denken der Menschen. Sie nehmen viele Aspekte zum Teil ganz ander wahr z.B. die Spannung zwischen dem "IST" & "SOLL" Zustand. Oft liegen sie nachts wach und grübeln stark darüber, was alles schief gehen könnte und was man besser machen könnte.

Welche Auswirkungen hat krankhafter Perfektionismus auf die Gefühle?

Menschen, die unter krankhafter Perfektionismus leiden sind geprägt von starken Angstgefühlen. Sie haben Angst vor Fehlern, Ablehnung, vor Erfolg oder Angst zu versagen. Sie sind stark unzufrieden mit sich selbst und es fällt ihnen jedes Mal sehr schwer, ihre Lage positiv wahrzunehmen. Deshalb sind sie oft unglücklich. Der Zustand eines dysfunktionalen Perfektionisten ist durch Frustration und Niedergeschlagenheit geprägt, wenn sie ihre Standards nicht erfüllen.


Welche Auswirkungen hat krankhafter Perfektionismus auf das Verhalten?

Oft neigen sie zu Aufschieberitis und ihnen fällt es schwer, Arbeiten zu beenden, da sie denken es sei noch nicht perfekt. Ebenso fällt es ihnen schwer, neue Aufgaben anzufangen, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Oft brechen sie die Arbeit vollständig ab, wenn ein Fehler passiert. Auch vermeiden sie es sich Ziele zu setzen, um mögliche Enttäuschungen zu sparen. Sie verheimlichen oft ihre Aufgaben oder Ziele, damit die Menschen von einem möglichen Versagen oder Auseinandersetzung nichts mitbekommen.


Welche Auswirkungen hat krankhafter Perfektionismus auf den Körper?

Es ist nicht nur eine sehr große Belastung für unsere Psyche, sondern auch für den Körper! Wenn du andauernd unter Spannung und Stress stehst und deinen Zustand nicht regulieren kannst, dann wird es dein Körper sehr schnell spüren. In diesem permanenten Stresszustand können einige bekannte Symptome erscheinen:

Körperliche Anspannung

Innere Unruhe

Herz- und Kreislaufbeschwerden

Kopf- und Gliederschmerzen

Schlafstörungen

Appetitlosigkeit

Magen-Darm-Störungen

Konzentrationsstörungen

Allergien und Hautirritationen

Chronische Müdigkeit und Erschöpfung



Schaue nicht auf das, was andere sagen oder denken. Du kennst deinen Wert & du weißt sehr gut, dass es nicht einfach war, da zu stehen wo du jetzt stehst. Kenne deinen Wert, denn du bist gut so wie du bist! 


Methoden, wie du deinen Perfektionismus in den Griff bekommst

Es spielt keine Rolle, ob du unter einer schweren oder leichten Form von Perfektionismus leidest, du hast immer die Chance selbst aktiv zu werden. Du hast die Möglichkeit, daran zu arbeiten, um dein Verhalten abzulegen. Wichtig ist, dass du dir die Zeit dafür nimmst, um erfolgreich dem Perfektionismus entgegenwirken zu können. 

1. Schalte ab

Es ist enorm wichtig, dir einen aktiven Ausgleich zu deiner Anspannung und stresst anzuschaffen. Beginne damit, dich von deinen To-Dos zu lösen.

Mach Sport und treffe dich mit deinen Freunden. Gehe oft in die Natur und spazieren, während dein Handy einfach Mal zu Hause liegt. Kennst du Digital Detox? Das wäre in diesem Fall sehr förderlich, damit du deinen Kopf frei bekommst und dir bewusste Auszeiten in deinem Alltag nimmst.

In diesen Zeiträumen ist es wichtig, die Gedanken auszuschalten, die dich an deine Aufgaben erinnern.

2. Trenne dich von hohen Maßstäben und von dem "Muss

Es ist wichtig, dass du in jeder Situation bewusst entscheidest, wie viel Einsatz du bringen möchtest. Es spielt nämlich keine Rolle, dass du in jeder Situation versuchst dein Bestes zu geben. Lass deine Massstäbe sinken und sage dir, wann es genug ist, denn niemand erwartet so viel von dir wie du selbst.

3. Es ist wichtig, dass du mit Misserfolgen lernst umzugehen 

Wenn der Tag nicht dein Freund war, dann war er dein Lehrer. Das scheitern und deine Fehler gehören zum Leben dazu und diese Erfahrungen müssen wir alle machen, damit wir dadurch lernen können. Diese Misserfolge und Fehler machen dich nicht zu einem Versager oder zu einem schlechten Menschen. Beginne damit, dich selbst 

für Misserfolge nicht fertig zu machen. Versuche aus deinen Fehlern zu lernen und das positive daran mitzunehmen. Fokussiere dich auf deine Erfolge, nicht auf deine Schwächen.

4. Übertriebener Perfektionismus hat keinen Nutzen 

Gewissenhaftigkeit ist gut, aber dysfunktionaler Perfektionismus bringt dir nichts als Stresszustände, Anspannung und Rastlosigkeit. Wovor hast du Angst, wenn dur dir vor Augen rufst, was passieren würde, falls du eine Aufgabe nicht perfekt erledigst. Niemand wird dich als Versager oder Nichtsnutz wahrnehmen, wenn du etwas nicht perfekt machst. Notiere dir die Vor- und Nachteile deine perfektionistischen Verhaltensweisen und du wirst sehr schnell erkennen, dass die Nachteile überwiegen.

5. Arbeite an deinem Denkmuster 

Wenn du deinem Perfektionismus ein Ende setzen willst, musst du dich von krankhaften und zwanghaften Gedankenmuster fernhalten. Fokussiere dich auf bessere und neue Leitgedanken und trainiere deine Selbstliebe an: „Ich mache Fehler und das ist in Ordnung“, „Ich bin liebenswert, so wie ich bin“, „Durch Misserfolge entwickle ich mich weiter“. Dein Selbstwertgefühl stärken, das ist dein Ziel.

6. Erreichbare Ziele setzen 

Nehme dir kleine Aufgaben vor, bei denen es nicht wichtig ist, sie perfekt auszuführen. Durch die Erfolge dieser Aufgaben wirst du dich bestärkt fühlen und kannst nach und nach größere Herausforderungen vornehmen. 

➡️ Ihr habt nun ausführliche Tipps bekommen, um euren Perfektionismus ablegen zu können. Hier habt ihr eine kleine Zusammenfassung, so habt ihr die wichtigsten Punkte beisammen und könnt sie euch immer ins Gedächtnis rufen, wenn euch der Perfektionismus übermannt.

1. Schalte ab und schaffe einen aktiven Ausgleich, um dich von Gedanken vom Perfektionsmus zu lösen

2. Löse dich von deinen Maßstäben: Du entscheidest selbst, wann es genug ist

3. Fokussiere dich auf deine Erfolge und lerne, mit deinen Misserfolgen umzugehen

4. Mache dir bewusst, dass übertriebener Perfektionismus nicht gesund ist

5. Übe dich in Selbstliebe, um mit Fehlern besser umzugehen

6. Setze dir Ziele, die du wirklich schaffen kannst

Ende

| Gizem

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